Factsheet Ökobilanz

Ein einziger Naturkorken bindet acht Gramm des Treibhausgases CO2. Zudem trägt dieser vermeintlich unscheinbare Flaschenverschluss zum Erhalt eines der artenreichsten Biotope Europas bei. Naturorganisationen wie WWF und NABU warnen: Die Verdrängung des Naturkorkens gefährdet eine einzigartige Kulturlandschaft.

Einer Lebenszyklusanalyse von PricewaterhouseCoopers zufolge ist der Naturkorken der nachhaltigste aller Flaschenverschlüsse. Er liegt bei allen Umweltindikatoren gegenüber Alternativverschlüssen deutlich in Führung. So produzieren Plastikkorken – trotz Recycling – im Verlauf ihres Lebenszyklus zehnmal mehr CO2 als Naturkorken, Drehverschlüsse aus Aluminium gar 24-mal mehr. Eine Tonne Kork nimmt etwa zwei Tonnen CO2 auf, während sie nur 1,6 Tonnen produziert. Im Vergleich dazu produziert eine Tonne Aluminium zwölf Tonnen CO2 und bindet selbstverständlich keines.

Umweltindikator Naturkorken Aluverschluss Plastikverschluss
Verbrauch nicht erneuerbarer Energie 1.00 4.33 4.87
Treibhausgasemissionen 1.00 24.24 9.67
Beitrag zur Säuerung der Atmosphäre 1.00 6.15 1.54
Beitrag zur Entstehung photochemischer Oxidantien 1.00 4.04 1.48
Beitrag zur Eutrophierung von Oberflächenwasser 1.00 1.10 1.52
Abfallproduktion 1.00 1.99 1.57
Quelle: LCA-Studie von PricewaterhouseCoopers 2008

Die Fabrik, in der dieses Material hergestellt wird, ist der Korkeichenwald. Die Rinde der Korkeiche wird alle neun Jahre geerntet und nahezu abfallfrei zu Korken und Korkprodukten verarbeitet. 70 Prozent der Wertschöpfung der Korkindustrie beruht auf Korken.

Mit einer Fläche von rund 2,3 Millionen Hektar binden die mediterranen Korkeichenwälder im Jahr rund 14 Millionen Tonnen CO2. Korkeichen speichern bis zu 30 Prozent mehr CO2 als andere Bäume. Allein die Korkeichen Portugals binden fast fünf Prozent der CO2-Emissionen des Landes. So hebt auch die internationale Weinorganisation OIV, die auf zwischenstaatlicher Ebene die Grundlagen für die Weingesetzgebung erarbeitet, in einer kürzlich verabschiedeten Resolution die »Wirkung von Naturkorken gegen Kohlenstoff-Emissionen« hervor.  Zudem nutzt die Kork verarbeitende Industrie heute schon zu 70 Prozent erneuerbare Energien.

Die Recyclingmöglichkeiten von Flaschenkorken sind hervorragend. Das Recyclingmaterial kann z. B. als Dämmstoff bei der Wärmeisolierung von Gebäuden eingesetzt werden

Die Korkeichenbiotope gehören zu den biologisch reichsten der Welt und sind gemäß der EU-Habitatrichtlinie im NATURA-2000-Netzwerk aufgeführt. Sie weisen unter den Wald-Lebensräumen eines der weltweit höchsten Niveaus an Artenvielfalt auf. Korkeichenwälder gehören zu den 201 von der UNEP festgelegten weltweiten Biodiversitäts-Hotspots: Im Mittelmeergebiet finden sich bis zu 25.000 verschiedene Pflanzenarten (viermal mehr als im übrigen Europa), davon 13.000 endemische, d. h. nur in dieser Region ansässige Pflanzenspezies – weltweit die zweitgrößte Zahl, gleich nach dem tropischen Teil der Anden.

Umweltfaktor Korkeiche

  • Die Baumkronen der Korkeichen schaffen ein Mikroklima, das in Sommer und Winter milder ist und so eine längere Vegetationsperiode für die krautige Bodenvegetation ermöglicht
  • Da Korkeichen im Durchschnitt 26,7 Prozent des gesamten Niederschlags abfangen (Mateos & Schnabel, 1998), verringern sie die Menge der Wasserabflusses und verhindern damit Bodenerosion
  • Korkeichen haben aufgrund ihrer Porosität und organischen Zusammensetzung ein hohes Wasserspeichervermögen (Joffre & Rambal, 1988)
  • Korkeichen reduzieren die Windgeschwindigkeit und damit seine austrocknende Wirkung
  • Die Bäume liefern den Humus der oberen Bodenschichten
  • Sie transportieren eine große Menge von Nährstoffen aus dem unteren Erdreich in die oberen Bodenschichten, wo diese sonst für die krautige Vegetation nicht zugänglich wären
  • Die Bäume erhöhen die biologische Vielfalt des Ökosystems

Die Korkeiche ist dabei eine von 150 endemischen Baumarten des Biotops. Sie ist der einzige Baum der Erde, dessen Rinde man schälen kann, ohne dass er davon Schaden nimmt. Eine Korkeiche, deren Rinde regelmäßig geerntet wird, bindet sogar mehr als dreimal so viel CO2 wie eine ungenutzte Korkeiche. Korkeichen bieten zudem Schutz vor Winderosion und helfen so, den Boden zu bewahren. Sie erhöhen die Rate, mit der Regenwasser in den Boden eindringt und das Grundwasserreservoir wieder auffüllt, und sind so für die Wasserversorgung der Region unverzichtbar, zumal sie ungleich weniger Wasser als der Eukalyptus oder Seekiefern verbrauchen. Sie bieten dank der Feuerfestigkeit des Korks Schutz vor Waldbränden.

Spezies Geschätzte Zahl

Iberischer Luchs

(Lynx pardinus)

Weniger als 100 (ohne Jungtiere)

Spanischer Kaiseradler

(Aquila adalberti)

150 brütende Pärchen

Berberhirsch

(Cervus elaphus barbarus)

Nur in Nordwest-Tunesien und Nordost-Algerien ansässig. Keine Bestandsschätzung erhältlich.

Mönchsgeier

(Aegypius monachus)

1.050 bis 1.150 brütende Pärchen in Spanien (nach Tucker & Heath, 1994)

800 brütende Pärchen in Spanien (nach Castro & al, 1997)

Schwarzstorch

(Ciconia nigra)

Gesamtzahl in Spanien wird auf 350 bis 400 Pärchen geschätzt
Quelle: WWF-Broschüre »Cork Screwed« von 2006 

Korkeichenwälder sind Rückzugsgebiete einiger bedrohter Arten wie des Iberischen Luchses, der nur noch rund 100 Exemplare zählt, des Spanischen Kaiseradlers oder des Mönchsgeiers. Im algerischen und tunesischen Korkwald lebt der gefährdete Berberhirsch. Zugleich sind diese Biotope Durchgangsstationen von Zugvögeln und Überwinterungsplätze, z. B. von rund 60.000 Kranichen in der spanischen Extremadura. Die Straße von Gibraltar ist neben der Straße von Messina und dem Bosporus ein »Hauptverkehrsknotenpunkt« im Vogelzug nach und von Afrika.

Korkeichenwälder bilden die wirtschaftliche Lebensgrundlage für über 100.000 Menschen. Allein in Portugal sind über 28.052 Menschen im Korksektor beschäftigt. Eine nachhaltige Ökonomie: Ein schonender Umgang mit der Umwelt ist auch wirtschaftlich unverzichtbar.

Permanente forstwirtschaftliche Jobs 5.327
Saisonale forstwirtschaftliche Jobs 10.000 (entspricht rund 4.167 ganzjährigen Jobs)
Jobs in der Kork verarbeitenden Industrie 18.558
GESAMT 28.052
Quelle: Mendes 2002

Dank Aufforstungsbemühungen nimmt in Europa die von der Korkeiche besiedelte Fläche seit einigen Jahren wieder zu, in Portugal jedes Jahr um rund ein Prozent. Zertifizierungspläne für Korkwaldbesitzer und Korkverarbeiter helfen beim verantwortungsvollen Management von Korkeichenwäldern. Korkproduzenten haben seither zügig nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden umgesetzt, zertifizierte Korkprodukte auf den Markt gebracht und so zusätzliche Kaufanreize für eine umweltbewusste Klientel geschaffen.

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